Unser Bodenschutzkonzept für den Schönbuch

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“,

worum geht es? Wie viele von Ihnen wissen, führt der Einsatz von Holzerntemaschinen zu massiven Bodenschäden. Die Bodenverformung der befahrbaren Waldflächen in Baden-Württemberg liegt dabei über 50 Prozent. Dies geht aus den Untersuchungen von Prof. Schäffer von der FHS für Forstwirtschaft Rottenburg (hier klicken) hervor.  Die Folgen für Böden mit befahrungsempfindlichen Substraten sind katastrophal, der Bodenkörper, das Bodenleben wird zerstört, Wissenschaftler indizieren deshalb einen  sorgsamen Umgang mit den schweren Erntemaschinen. Weniger Einsätze auf nassen und empfindlichen Böden etwa. Weniger Einsätze in Hanglagen, wo sie besonders viele Schäden anrichten. Und vor allem eine Beschränkung von Größe und Gewicht. Denn je größer und schwerer die Maschinen sind, desto größer sind die Schäden, die sie im Wald anrichten. Prof. Matthies von der TU München schreibt (hier klicken) “die Inkaufnahme von Bodenschäden im Bereich der Rückegasse ist eigentlich gesetzeswidrig, der bloße Erhalt der technischen Befahrbarkeit der Gassen ist es auf jeden Fall“.

Das Waldgesetz Baden-Württembergs stellt in § 14, zur pfleglichen Bewirtschaftung des Waldes eindeutig klar:

Der Boden und die Bodenfruchtbarkeit sind zu erhalten, die Nutzung ist schonend vorzunehmen.

Der Waldorganismus Schönbuch wirkt als lebensspendendes Organ. Sein Gesundheitszustand beeinflusst das Klima, die Luft, die Wasserreserven, das Leben  von Menschen, Tieren und Pflanzen. Fünf Millionen Menschen nutzen das Waldgebiet zur Erholung.
Große Teile des Schönbuchs sind als NATURA 2000 Gebiet ausgewiesen. Das Ziel ist, wildlebende Vogelarten, gefährdete, natürliche und naturnahe Lebensräume mit ihren Lebewesen sollen  geschützt werden.  Aus diesen Gründen gilt ein Verschlechterungsgebot der Biosphäre. Die Maschineneinsätze bei der Holzernte bewirken Bodenverformungen auf wenigstens 5000 ha. Der Bodenlebensraum als Existenzgrundlage der Lebewesen wird  in Folge dieser Verformungen zerstört. Das alles ist den Verantwortlichen hinreichend bekannt!

Das komplizierte Bodenmosaik der Keuperlandschaft erfordert einen sorgsameren Umgang mit den Böden als das dies bisher getan wird. Deshalb hat die Initiative vor 3 Jahren mit der Dokumentation der  Bodenzerstörung begonnen. Sie hat sich an die Vertreter der Kommunen, an die Medien gewandt. In Zusammenarbeit mit der FHS für Forstwirtschaft Rottenburg wurden Forstleute zur Vorstellung des in Brandenburg eingeführten Bodenschutzkonzeptes eingeladen. Zwei Anfragen an die Landesregierung wurzeln in dem Anliegen, zu einer Verbesserung des Bodenschutzes im Schönbuch beizutragen. Die Initiative hat auf die Notwendigkeit eines Waldentwicklungsprozesses auf breiter Basis hingewiesen. Wir haben Kontakt mit Vertretern der Politik, der Wissenschaften, Forstverbänden aufgenommen, Stellungnahmen erfragt, mit Waldbesuchern gesprochen. Die Rückmeldungen zeichnen ein einheitliches Bild:

Die massiven Bodenschäden werden von allen Beteiligten mit wachsender Sorge geteilt.

Es bedarf grundsätzlicher Überlegungen, die zu notwendigen Veränderungen führen müssen und die Zeit dazu drängt. Auf die weltweit entstehenden ökologischen Schäden in Folge von Holzerntemaßnahmen möchten wir  an dieser Stelle ausdrücklich hinweisen.

Deshalb hat die Initiative Waldkritik in Zusammenarbeit mit Forstleuten und Bodenkundlern ein Bodenschutzkonzept für den Schönbuch entworfen und stellt dieses mit einem Erläuterungstext vor.

Die bestehende Feinerschließungsrichtlinie und das Rückegassenkonzept werden als nicht zureichend erkannt- insbesondere zu nennen ist die Vernachlässigung der Bodenfeuchte, der Bodeneigenschaften und die ökologische Verträglichkeit der angewandten Technik. Das Waldgesetz fordert klar und eindeutig die Böden und Bodenfruchtbarkeit bei der Bewirtschaftung zu schützen. Der vorliegende Entwurf trägt diesem Ansinnen Rechnung. Eine Inventur mit der Aufnahme und Beurteilung der Schäden im Schönbuch hat die Forstverwaltung im Interesse der Gemeinschaft noch zu erbringen.
Die Landesregierung ist aufgefordert eine rechtliche Präzisierung der (Mindest)Anforderungen an eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung  des Schönbuchs und der Wälder in Baden-Württemberg vorzunehmen. Für die anstehende Holzernte im Schönbuch soll mit der Planung und Annahme bindender und stufenweiser Verpflichtungen umgehend begonnen werden.

Initiative „Waldkritik“:   Richard Koch · Harald Kunz · Dr. Andreas Luther

Bodenschutzkonzept Schönbuch

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Erläuterungen zum Bodenschutzkonzept Schönbuch der Initiative Waldkritik

Die Erschließung von Waldbeständen in Baden- Württemberg erfolgt seit 2003 nach den Vorgaben der „Richtlinie der Landesforstverwaltung Baden- Württemberg zur Feinerschließung von Waldbeständen“.  (hier klicken)

Diese Richtlinie wurde 2013 leicht überarbeitet, auf einigen Standortseinheiten wurde der mögliche Mindestabstand der Rückegassen verkleinert von 40 m auf 20 m. Davon wird allerdings wenig Gebrauch gemacht, die meisten Betriebe haben sich auf Regelabstände von 40 m festgelegt. Der praktische Nachteil dieser Richtlinie ist, daß die systematische Erschließung aller Standorte und Bestände vorgegeben ist, damit auch von Standorten, die weder bei geeigneter Witterung, noch beim Einsatz bester Technik eine Befahrung aushalten, und dadurch massiv geschädigt werden.

Die Behandlung der Rückegassen erfolgt bisher nach dem „Konzept zur Sicherstellung der dauerhaften Funktionsfähigkeit von Rückegassen“ (2012).   (hier klicken)

Im Interesse des Bodenschutzes völlig inakzeptabel ist hier die Vorgabe, einer „maximal tolerierbare Fahrspurtiefe von 40 cm, Randaufwerfungen / Wülste werden nicht berücksichtigt, tiefere Fahrspuren sind auf 10 % der Gassenlänge zulässig“.
Diese Vorgabe in Verbindung mit der systematischen Erschießung aller Standorte erweist sich als Blankoscheck zur seitherigen Waldverwüstung durch die forstliche Praxis von ForstBW.

Die Initiative Waldkritik legt deshalb ein Bodenschutzkonzept Schönbuch zum Schutz der hoch empfindlichen Böden dieser Region vor. Hauptgrund für die Dringlichkeit ist die Tatsache, daß ForstBW in den vergangenen 20 Jahren ein Vielfaches an Bodenschäden in den Öffentlichen Waldungen des Schönbuchs verursacht hat, als alle Generationen zuvor, in 3000 Jahren Holznutzung!

Die wesentlichen Unterschiede zu den bisherigen Vorgaben sind:

Bei befahrungsempfindlichen Standorten wird auf eine systematische Erschließung verzichtet. Alternative, standortsabhängige statt systematischer Erschließung!

Die Nutzung erfolgt (boden-)pfleglicher als seither, es wird aber ausdrücklich nicht auf Nutzung verzichtet, es sei denn, diese wäre nur zu Lasten unverantwortlicher Bodenschäden möglich.

=>  Befahrungskriterium ist die Spurtiefe, maximale Fahrspurtiefe 20 cm.
=>  Einsatz bester Technik
=>  Beachtung der Witterung

Die Konzeption der Initiative Waldkritik kann zu Änderungen in den Betriebsabläufen und der Holzerntekosten führen:

Eine Witterung, die die Befahrung empfindlicher Standorte ermöglicht (wochenlanger, strenger Frost, oder wochenlange extreme Dürre) hat es zu keiner Zeit  in ausreichendem Umfang gegeben, ihr Ausbleiben ist keine Folge der „Klimaerwärmung“, und damit kein Entschuldigungsgrund für große Bodenschäden. Mit derartigen Witterungsverhältnissen kann in der forstlichen Planung nicht gerechnet werden.

Bei der Holzernte ist die Witterung zu beachten, das kann dazu führen, daß :

=> Hiebe verstärkt zu unterbrechen sind

=> Hiebe wieder stärker auf den Winter zu konzentrieren sind.

=> Einschlag und Rücken  zeitnah erfolgen, das heißt ohne zeitlichen Abstand.

=> „Just in time“- Lieferungen nicht mehr im gewünschten Umfang möglich sind, die Kundschaft benötigt  möglicherweise wieder größere Vorratshaltung als zuletzt.

=> Keine systematische Erschießung von Beständen, bei denen dies nicht erforderlich ist , zum Beispiel von Dauerwäldern. Beibehaltung (bzw. Rückkehr zu) der motormanuellen Holzernte.

Die Kosten für die einmalige Holzernte sind bei der seitherigen Vorgehensweise nach den Vorgaben von Erschließungsrichtlinie und Rückegassenkonzept von ForstBW geringer, als bei Einhaltung des Bodenschutzkonzepts Schönbuch der Initiative Waldkritik, die geringere Befahrungsdichte, bodenpfleglichere und damit  teurere Technik und witterungsbedingte Arbeitsunterbrechungen vorsieht.

Bezieht man aber die Sanierung der Rückegassen in die Berechnung ein (Wiederherstellung der technischen Befahrbarkeit), die gegenwärtig weitgehend unterbleibt, oder auch nur in Fahrwegnähe erfolgt, wird kaum noch ein Kostenunterschied  bestehen.
Der einzige Unterschied zwischen beiden Konzepten beruht dann im Wesentlichen darauf, daß das eine die Waldböden irreparabel  schädigt und das andere diese schont.

Folgen der Bodenverdichtung :

Böden enthalten Hohlräume in Form von Poren, die mit Luft und Wasser gefüllt sind. Übersteigt ein Bodendruck die Stabilität des Bodens, verlieren die Poren an Volumen, das Eindringen von Wasser und der Gasaustausch (Atmung der Wurzeln, Verfügbarkeit von Sauerstoff, Abtransport des gebildeten Kohlendioxids) werden gestört, teilweise auch total zerstört, das Wurzelwachstum von Bäumen wird stark eingeschränkt.

Im Gegensatz zur Landwirtschaft können die Strukturveränderungen in den Waldböden nicht durch pflügen rückgängig gemacht werden, sie bleiben meist dauerhaft bestehen, eine natürliche Regeneration findet kaum statt.

Weitere Informationen zur Bodenschadverdichtung erhalten Sie  HIER

und natürlich auf unserer Seite:  http://www.waldkritik.de

Außerdem möchten wir Ihnen nachfolgend, zur Untermauerung unserer Konzeption, von drei Standorten Schadensbilder von der letzten Holzernte zeigen. Wenn Sie mit der Maus über die Bilder streichen, dann können Sie diese länger ansehen oder auch einzelne Bilder gezielt auswählen.

Schönbuch Schadensbilder im „Steingart“

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Schönbuch Schadensbilder im „Dickne Weg“

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Schönbuch Schadensbilder in der „Bräuninghalde“

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Der runde Tisch zum Wald