Der „Wutbürger“ im deutschen Wald

Diese Korrespondenz ist besonders interessant vor dem Hintergrund unserer eigenen Initiative „Waldkritik“!
Begonnen hat die Korrespondenz damit, daß der Leiter des Forstreviers Schifferstadt, Herr Georg Spang, einen Artikel in der 19. Ausgabe 2014 der forstpraktischen Zeitung „AFZ-DER WALD“ veröffentlicht hat, in dem er sich über die neue entstehende Spezies der zivilgesellschaftlichen Wutbürger ausläßt, die von Außen die gängige Praxis der Waldbewirtschaftung in Deutschland anprangern und was seiner Meinung nach das Schlimmste ist: „Der Dienstweg wird bei dem Protest nicht eingehalten!“

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Nachdem unsere Initiative versucht hat, einen Leserbrief zu diesem Artikel zu veröffentlichen, was abgelehnt wurde (auch dürfen wir auf unserer Seite den Artikel nicht veröffentlichen), hat sich aus diesen Vorkommnissen ein Briefwechsel ergeben, den wir auch nicht veröffentlichen dürfen, was wir aber dürfen, sind hier unsere eigenen Briefe und unseren Leserbrief zu veröffentlichen, was wir hiermit tun:

1. Der Leserbrief als Antwort auf den Artikel von Herrn Sprang:

Sehr geehrter Herr Spang,

heute hat mich Ihr Beitrag, der „Wutbürger“ (?) (Sie meinen mit Wutbürger sicher den Bürger als „Waldeigentümer und Souverän“) im deutschen Wald, erreicht. Da Sie Ihre Gedanken in einer Zeitschrift äußern, gehe ich davon aus, dass Sie Antwort auf Ihre Überlegungen wünschen.

In Ihrem Beitrag beschäftigen Sie sich mit der Kommunikation  und deren Qualität zwischen den Akteuren. Auf die Bodenschäden, ausgelöst durch die ungezügelten Maschineneinsätze gehen Sie nicht ein. Sie gelangen zu dem Ergebnis, allein Kommunikation bzw. die verbesserte Präsentation forstlichen Handelns seien die Lösung für diese Schäden. Dabei bestimmt die Forstverwaltung, wie könnte es auch anders sein, die Form und  die Inhalte der Kommunikation. Das geht so nicht!

Durch die schweren, zum Teil irreversiblen Bodenschäden wird der Wald in seinem Gleichgewicht empfindlich gestört, er ist zum Materiallieferanten degradiert, die Bewirtschaftung folgt allein technischen-mechanischen Strategien die auf einer organisch fehlentwickelten Ökonomie basieren. Dass die Bewirtschaftung ökologisch schonender vorgenommen werden kann beschreibt der Forstmann Martin Grüll in seinem Beitrag, den Waldboden schonen – vorsorgenden Bodenschutz beim Einsatz von Holzerntetechnik, siehe http://www.waldkritik.de/?m=201411

Sie verwenden den Begriff Kommunikation, sprechen von Wutbürgern, sehen den Dienstweg als nicht eingehalten und nennen die Bodenschäden mit keinem Wort. Das Klima ist schuld. Ingenieurleistungen die ein differenziertes Denkergebnis darstellen, die sich in den Maschinenkostruktionen Harvester und Forwarder offenbaren, die in Verbindung mit der energetisch gesteuerten Handhabung dieser Systeme durch den Menschen zentrale, systemische Forstkonzepte wie das der Feinerschließungssysteme entwerfen lässt, bewirken die schwere Schädigung der Waldböden.

Das Waldgesetz von Baden-Württemberg fordert ausdrücklich den Boden und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten! Ist das den Forstleuten egal?  Die Anlage der Rückegassen in Deutschland führt zu einem (vorsichtig) geschätzten Waldbodenverlust von 10 000 qkm! Ich will den Forstmann Richard Koch zitieren. Allein im Schönbuch sind in den letzten Jahren mehr Schäden (er meint Bodenschäden) angerichtet worden als in den tausend Jahren Waldbewirtschaftung zuvor.

Das, Herr Spang, wollen wir, will der Waldbesucher nicht im Schönbuch!
2015 ist das internationale Jahr des Bodens… Sinn unserer Initiative ist, die Forstverwaltungen zu einem vorsorgenden Bodenschutz beim Einsatz von Holzerntetechnik anzuhalten.

In Anlehnung an Ihre Überschrift…neue Spezies melden sich zu Wort- anbei das Blatt … wir schaffen unverwechselbare Lebensräume.

2. Das Erinnerungsschreiben an den Leserbrief an den Chefredakteur der AFZ-DER WALD:

Sehr geehrter Herr Steinfath,
auf den in der AFZ erschienenen Artikel, der „Wutbürger“ im deutschen  Wald, habe ich einen Leserbrief verfasst und Ihnen diesen im Januar, mit der Bitte diesen zu veröffentlichen, zugeschickt. Nachdem Sie den Eingang bestätigt haben, wollten Sie mir antworten und Ihre Entscheidung hinsichtlich einer Veröffentlichung mitteilen. Ende Februar haben Sie mir bei einem Telefongespräch. ich hatte Sie in der Sache angerufen, mitgeteilt, dass Sie den Leserbrief aus Zeitgründen noch nicht lesen konnten.

Nach weiteren 4 Wochen will ich mich heute erneut nach Ihrem Lesestand der Lektüre erkundigen. Ich bitte Sie also, mir zu sagen, ob Sie die Antwort auf Herrn Spang gelesen haben. Die Beteiligung der Stakeholder, hier in Form einer Antwort auf die Ansicht eines Forstmannes, veröffentlicht in der AFZ, ist Ihnen sicherlich ein wichtiges Unterfangen. Damit der Leser Ihrer Zeitschrift überhaupt versteht welcher Zusammenhang hergestellt und diskutiert wird, wäre eine zeitnahe Veröffentlichung sicher sinnvoll. Kann es sein, dass Sie den Leserbrief nicht veröffentlichen wollen?
Ich freue mich von Ihnen zu hören.

3. Das Antwortschreiben von Herrn Steinfath dürfen wir nicht veröffentlichen!

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4. Aber das Antwortschreiben von unserer Initiative auf das von Herrn Steinfath dürfen wir veröffentlichen!

Sehr geehrter Herr Steinfath,
Sie sind, so schreiben Sie mir, erst jetzt  dazu gekommen, sich mit meinem Leserbrief zum Beitrag von Herrn Spang in der AFZ-Der Wald 19/2014 zu beschäftigen.
Ohne näher darauf eingehen zu wollen, glaube ich, dass es andere Gründe dafür gibt.

Sie lehnen eine Veröffentlichung des Leserbriefes als Chefredakteur der AFZ-Der Wald ab. Das ist selbstverständlich ihr gutes Recht. Dennoch wirkt die Ablehnung irritierend, weil im Leserbrief alle in der Sache geboten Konventionen des Umgangs mit einer anderen Meinung eingehalten werden.

Die Begründung  Ihrer Entscheidung basiert ausschließlich auf inhaltlichen Überlegungen, auf die ich im  Einzelnen nicht eingehen möchte. Das befremdet mich, stellt es den Sinn eines Leserbriefes und in Folge davon, die thematische Auseinandersetzung um einen vorsorgenden Bodenschutz bei der Holzernte,  an einer Stelle in Frage, in der Herr Spang zu einer solchen ansetzt. Oder denken Sie Herr Spang schreibt Beiträge ohne dabei Wert auf eine Antwort zu legen oder zu erhalten? Sie würden auf diese Weise durch Ihre Entscheidung Herrn Spang isolieren.

In dem Sie eine Art von Zensur ausüben,  verweigern Sie dem Leser  aus meiner Sicht das Grundrecht auf Informationen über die gesamte Bandbreite anderen Meinungen. Das bedauern wir sehr!

Auf diese Weise lässt sich die begonnene Diskussion um die Verbesserung des dringend notwendig gewordenen Bodenschutz bei der Holzernte, Ihr Adressatenkreis kommt aus dem Forst, nicht verhindern können, schlimmer noch, Sie zeigen an, dass Sie die Entwicklung, aus welchen Gründen auch immer, blockieren.  Auch das ist doch wohl Zensur?

Ich will von der Startseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zitieren:

„Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens erklärt hat. Boden gehört zu den wichtigsten nicht vermehrbaren Ressourcen der Land- und Forstwirtschaft. Der Schutz unserer Böden ist lebensnotwendig. –

Das Ziel der Bundesregierung ist es, die Nutzung der Böden durch die Land- und Forstwirtschaft nachhaltig zu gestalten. Deshalb engagiert sich Deutschland national und international für den Bodenschutz auch unter den Bedingungen des Klimawandels.“

Bitte überdenken Sie nochmals Ihre Entscheidung.

Wir möchten Herrn Spangs Beitrag, unsere Antwort und Ihre  Zuschrift  auf unsere Webseite  stellen. Ich bitte Sie um Ihr Einverständnis hierzu.

Mit freundlichen Grüßen

5. Ein Einverständnis zur Veröffentlichung des Artikels von Herrn Spang und der Korresspondenz, die sich daran anschloß, hat Herrn Steinfath NICHT erteilt!

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Mit Stand heute hat die Initiative Herrn Steinfath einen gemeinsamen Begang der Schäden im Schönbuch vorgeschlagen, worauf noch keine Antwort kam.

Sehr geehrter Herr Steinfath,

danke für ihre Antwort. Wie werden die Beiträge von Seite der AFZ, Ihrem Wunsch gemäß nicht veröffentlichen. Was wir aber machen werden ist, dass wir unseren Teil der Korrespondenz auf unsere Seite stellen.
Ihre Vorstellungen, den Bodenschutz in der Forstwirtschaft in einer Ausgabe der AFZ zu thematisieren findet unsere Zustimmung. Deshalb schlagen wir Ihnen anstelle eines ausgearbeiteten Textes zu unseren Zielen, einen gemeinsamen Begang mit der Initiativgruppe im Schönbuch vor. Das wäre nicht nur konkreter sondern auch wechselseitiger und unmittelbarer.

Wir freuen uns von Ihnen zu hören.

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