Die Dinosaurier sind irgendwann auch mal ausgestorben…

DinosaurierLiebe Freunde der Initiative Waldkritik,

auch die Dinosaurier sind irgendwann in der Evolution ausgestorben, weil sie mit den Lebensbedingungen in den Wäldern unseres Heimatplaneten nicht mehr  zurecht kamen.

Genau so wird es auch dem neuen,  1 Million! Euro teuren und 70 Tonnen schweren! Waldmonster im niederbayrischen Kelkheim gehen. Der neue Großharvester „Raptor“, der mit seiner Hebe-Halte-Technik 900 Festmeter pro Woche umhauen kann und ich sage hier gleich dazu, wenn er rentabel arbeiten soll, auch umhauen muß!!! frist sich durch den Wald, wie ein nimmersattes Monster. Mit einer Hebekraft von 3 Tonnen und einer Reichweite von 17 Metern bewältigt er Stockdurchmesser bis 100cm, ist für Hangneigungen bis 30% ausgelegt, da der Oberwagen tiltfähig, also kippbar ist.

Wenn sich nun das Hightechmonster mit seinen 70 Tonnen Gewicht durch den Wald bewegt, macht er in seiner Waldbodenzerstörung seinem Bruder, dem bäumerückenden Forwarder, den Rang streitig! Der Forstmann im Filmbeitrag erwähnt zwar, daß der „Raptor“ mit seinem Raupenfahrwerk äußerst schonen für den Waldboden ist, zumal er gleich selbst noch einen Reisigteppich vor sich ausbreitet, bevor der den Waldboden befährt, so daß keine so tiefen Fahrspuren, wie wir sie in einigen Bildern immer wieder gezeigt haben, entstehen, aber die Bodenverdichtung, die durch die 70 Tonnen zzgl. der gefällten Bäume zustanden kommen, verdichten den Waldboden eben trotzdem. Damit können Raptor und Forwarder gemeinsam den Waldboden auf Jahrhunderte beschädigen oder zerstören.

Aber klar,  das ist der ökonomische Zahn der Zeit, eine einfache, dreiköpfige Waldarbeiter-Rotte schafft gerade mal 300 Festmeter in der Woche und viele Pausen sind da auch nicht drinn. Der Großharvesterfahrer ‚Willibald‘, so will ich ihn hier mal nennen, der schafft von seinem Führerhaus bequem das 3 fache ganz allein und die Gefahr, daß er krank wird oder verunfallt ist auch viel geringer. Die Frage bleibt an dieser Stelle trotzdem, was macht eigentlich die 3köpfige Waldarbeiter-Rotte, während Harvesterfahrer ‚Willibald‘ die Bäume umhaut, geht die stempeln oder sägt sie als Ein-Euro-Jobber die vielen kleinen Bäume und Büsche 10 bis 100 Meter links und rechts der Straßen ab???

Bedenken wir an dieser Stelle, daß die Automation der letzten 50 Jahre ein unendliches Meer an arbeitswilligen Menschen aus ihrer Existenz in die mehr oder weniger gut ausgestatteten Sozialsysteme der Staaten gedrängt hat, wenn man gleichzeitig bedenkt, daß wir in exponentieller Geschwindigkeit auf eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden zusteuern, geht hier auch an dieser Stelle wieder deutlich sichtbar eine Schere auf, die wir mit den Systemen, wie wir sie heute haben, nicht bewältigen können.

Und bitte seid so gut, wenn ihr die 3 arbeitswilligen Arbeiter der Waldarbeiterrotte morgen vor der Tür des Arbeitsamtes sitzen seht, dann beschimpft sie nicht auch noch als „arbeitsscheues Gesindel“, wenn ihr ihnen schon ihre Existenz genommen habt.

Ein kritischer Umgang mit den Möglichkeiten, die uns moderne Technik zur Verfügung stellt, ist jedenfalls auch im Falle des „Raptors“ dringend angeraten.

Ganz zu schweigen vom Ressourcenverbrauch, den so ein heiliges Großharvester-Blechle beansprucht, der wird mit keinem Wort erwähnt, liebe Freuden so wird es nicht weitergehen, wenn man immer nur den einen, den geheiligten ökonomischen Aspekt bei allem im Auge hat, dann hilft es auch nicht mehr, wenn man in Hochglanzbroschüren wie ein Mantra die „nachhaltige Waldwirtschaft“ beschwört. Die Natur, die trotz der ständigen Verfehlungen des Menschen sowieso schon mehr als großzügig ist, wird sich auf Dauer diese Vergewaltigungen durch schwerste Maschinen und dahinter stehende Profitinteressen nicht gefallen lassen.

Ich kann mich immer nur wiederholen, es gibt Ernte- und Rückemethoden, die den Wald nicht fertig machen, zugegeben, die machen die Holzernte teurer und den Output geringer, aber wenn wir einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem Holz hätten, bräuchten wir eben auch viel weniger davon und würden mit dem auskommen, was an Holz jedes Jahr nachwächst und zwar ohne den millionenschweren Einsatz von „Raptoren“.

Für mich ist das Hightechmonster „Raptor“ der Ausdruck des Grundsatzes: „Weiter so!“ Aber so wie irgendwann die Dinosaurier ausgestorben sind, werden in der Evolution auch derartige stählerne Waldmonster aussterben, davon bin ich überzeugt, spätestens dann, wenn der Mensch seine Lebensgrundlagen endgültig zerstört hat.

2015 ist zum „Jahr des Bodens“ ausgerufen worden, nehmen wir dieses Gedenkjahr nicht zum Anlaß uns an die guten alten Zeiten, in denen der Waldboden noch intakt war, zu erinnern, sondern denken wir darüber nach, wie wir unseren Umgang mit dem Wald und seinem Boden so ändern können, daß auch künftige Generationen noch den Wald in seiner natürlichen Schönheit und Leistungsfähigkeit genießen können.

Wer nach diesen einleitenden Worten noch das Bedürfnis verspürt, den Beitrag vom TVA Fernsehen Ostbayern sich reinzuziehen, der kann es durch einen Klick auf das nachfolgende Bild tun, ich verspreche, daß es sich nicht um einen Faschingsscherz handelt, sondern um die bittere Wahrheit, auch wenn die Augen des interviewten Forstmannes vor Begeisterung sprühen!

raptor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.