RASPUTIZA IM STAATSWALD- Befahrungsschäden bei Wüstenrot

Zweites Bild: „Gasse“ im Wald bei Wüstenrot

 

Anzeige aufgrund schwerer Bodenschäden im Wald bei Wüstenrot:
Wir dokumentrieren die Auswirkungen!

Zur Ästhetik der Gleisbildung

Schwaebischer Wald als Kulturlandschaft
des Jahres eine erfreuliche Zwischenbilanz

Leserbrief unseres Initiativmitglieds Richard Koch

3 Gedanken zu „RASPUTIZA IM STAATSWALD- Befahrungsschäden bei Wüstenrot“

  1. Bei der als „Zweites Bild“ einer Bilderserie sowie im Rahmen eines Leserbriefs auf Ihrer Webseite eingestellten Aufnahme eines Fahrspur-Komplexes im Mainhardter Wald (Wüstenrot, Spiegelberg) handelt es sich um ein von mir protegiertes Laichgewässer der Gelbbauchunke (Bombina variegata), eine nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützte Amphibienart. Die Gelbbauchunke ist seit 1992 auch in die Anhänge II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU aufgenommen worden, wodurch für Baden-Württemberg eine besondere Schutzverpflichtung besteht.

    Ihr Bestand ist in den vergangenen 30 Jahren dramatisch zurückgegangen. Ursache ist der Verlust geeigneter Laichhabitate. Die Gelbbauchunke ist bei der Laichgewässerwahl auf frisch entstandene, nicht zu stark beschattete Rohbodengewässer, insbesondere tiefe Fahrspuren mit hinreichend voluminösen und beständigen Wasserkörpern, angewiesen. Sie kann aufgrund ihrer spezifischen Habitatansprüche nicht auf andere Gewässer ausweichen.

    Ich hatte beim betreffenden Holzeinschlag angeregt und darum gebeten, nach Abschluss der Holzernte eine besonders geeignete, weiche und tonige Stelle mehrmals gezielt zu durchfahren, um eine besonders verdichtete
    und tiefe Mulde zu schaffen, damit hier die Chance zur Bildung eines gelbbauchunkengeeigneten Reproduktionsgewässers besteht. Der Erfolg hat sich bei der sommerlichen Kontrolle durch die Präsenz von Alt- und
    Jungtieren, Laich und Larven auch direkt bestätigt. Leider sind auch in diesem Waldgebiet, wo die Gelbbauchunke noch nicht flächig verschwunden ist, die Individuenzahlen sehr stark zurückgegangen. Die regelmäßige
    Schaffung weiterer geeigneter Reproduktionshabitate – wie sie z.B. der hier dargestellte Fahrspurkomplex darstellt – ist daher dringend erforderlich.

    Helmut Genthner
    Amphibienschutz

    1. Sehr geehrter Herr Genthner,
      das Bild das Sie ansprechen zeigt eine ebene Fahrstrecke. Die Befahrungslinien sind parallel versetzt. Sie dagegen sprechen von gezielter Befahrung um besonders tiefe Mulden zu schaffen. Als Betrachter unseres Fotos werden Sie unschwer erkennen, dass Ihre Beschreibung auf unser Bild nicht zutrifft. Das Bild zeigt weder die von Ihnen erwähnte gezielte Befahrung noch ist die Befahrung so angelegt, dass eine besonders tiefe Mulde geschaffen wurde. Das sagt nichts über die Gelbbauchunke aus, wohl aber über den von uns fotografierten Waldausschnitt, auf den Sie sich ausdrücklich beziehen.

      Eine Rückegasse mit Bodenbruch ist eine Befahrungsruine, toter Boden, toter Lebensraum- das Ergebnis gewaltiger physikalischer Kräfte. Vor kurzem hat der WWF dargestellt, dass ein weltweit einsetzendes Artensterben die direkte Folge der unachtsamen Eingriffe des Menschen ist. Der Boden ist wie das Wasser, die Luft und das Licht Grundlage des Lebens. Waldboden zu schützen erwähnen Sie mit keinem Wort, womit noch nichts zum Schutz der Gelbbauchunke gesagt wäre, wohl aber zum Schutz einer für uns alle wichtigen Lebensgrundlage.

      Im Schönbuch fanden sich Unken in einer wasserführenden Fahrspur. Die Forstverwaltung hat diese noch im Sommer mit Mineralschotter gefüllt… Wir waren mit einer Redakteurin unterwegs um auf Bodenschäden hinzuweisen…

      Wie kann der Schutz der Wesen, der Elemente, des Lebensraumes, des Lebens, gewährleistet werden, wenn nicht der Waldorganismus in seiner Gesamtheit unsere tägliche Achtung und Wertschätzung erfährt. Das sagt noch nichts über die Nutzung des Waldes, wohl aber über den Schutz des Bodens und über den Schutz der Lebewesen aus.

  2. Das Auftreten von Gelbauchunken im Wald ist unter anderem Bioindikation dafür, dass ihre Laichhabitate außerhalb des Waldes verloren gegangen sind. Einer der Gründe dafür ist die Überregulierung unserer Fließgewässer. Diese Primärhabitate sind zu fordern und zu schaffen. Ersatzhabitate im Wald können eine Zwischenlösung sein. Sie sind aber losgelöst vom jetzigen Rückegassensystem zu schaffen. Wenn sie mit den Rückegassen gekoppelt werden, führen sie zu Zielkonflikten. Sie führen in die Irre, weil wir dabei Biodiversität verlieren werden. Die Gelbbauchunke ist als Art und Indikator zu wertvoll, als dass sie an die Rückegassen gekoppelt wird dürfte. Für mich ist das wie wenn Klimaschutz durch AKWs gefordert wird.

    Die Arbeit der Gelbbauchunken- Schützer ist notwendig und wichtig. Von ihnen darf ich aber auch eine Gewichtung erwarten zwischen Artenschutz, Biotopschutz und Prozesschutz.
    Dabei spielt der Boden eine herausragende Rolle. Er ist für uns und viele Mitgeschöpfe Lebensgrundlage. Er ist Speicher, Wasserreiniger und wichtiges Medium. Er ist Kommunikator, Infrastruktur und er vernetzt dabei die unterschiedlichen Arten und Prozesse.
    Und ausgerechnet im Wald, wo der Boden noch einigermaßen im naturnahen Zustand ist wird er jetzt durch fachlich falschen Rückegassenbetrieb zerschnitten und rabattisiert. Die Auswirkungen sind vielfältig, gewaltig und oft nicht umkehrbar. Die Verwaltungen zeigen dies nicht auf, sodass es den Bürger nicht bewusst wird und deshalb auch bis jetzt nicht öffentlich diskutiert wird.

    Die Frage der Bildherkunft ist für mich drittrangig. Sie zeigt aber, dass die Zerstörung unserer aller Lebensgrundlagen dauernd an vielen Orten geschieht. Dies passiert, weil Gesetze und Verordnungen durch einige Personen in verschiedenen Verwaltungen missachtet werden. Auf hierarchischen Ebenen werden sie dabei durch die Führungverantwortliche und die
    Rechtsaufsicht gedeckt.
    Dabei werden meiner Meinung nach Rechte, Gesetze und Beamteneide gebrochen.

    Der Bürgerinitiative danke ich für ihren beharrlichen Kampf um mehr Bodenschutz.
    Ich wünsch ihnen Erfolg und viele Mitstreiter auch von anderen Verbände und NGOs.
    Für mich sind sie Anregung und Vorbild.

    Kniebis 8.11.16 Walter Trefz

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