Schadbilder aus dem Herrenberger Stadtwald

20140813_142645_resized20140813_152610_resizedForst BW bekundet als eines der wichtigsten Ziele der Waldbewirtschaftung den Bodenschutz bei der Holzernte und beim Holztransport. Wie konnte es dann überhaupt zu den Schäden im Herrenberger Stadtwald kommen und was hat / wird das Kreisforstamt Böblingen zu deren fachgerechten Sanierung bisher beigetragen?

Der Forstwissenschaftler Nikolaus Nemestothy hat Fahrspurschäden klassifiziert und geordnet. Starke Störungen des Bodengefüges liegen bereits nach Befahrung mit seitlichen Aufwölbungen und einer Spurtiefe von mehr als 10 cm vor.

spurtiefenDie Spurtiefe auf den Bildern, (siehe auch http://schuetzt-den-schoenbuch.de/wordpress/bilder-aus-ruckegassen-der-holzernte-2013/ ) übertrifft diese Grenzmarke für starke Befahrungsschäden um ein vielfaches.

Die durch den Maschineneinsatz bei der Holzernte im Schönbuch (Waldgebiet des Jahres 2014) und in anderen Regionen des Landes verursachten, gravierenden Bodenschäden sind nicht akzeptabel. Im Gegensatz zum Grundgedanken der positiven Nachhaltigkeit bei der Holzernte werden die empfindlichen Böden sowohl biologisch als auch physikalisch langfristig zerstört!  Mit der Feinerschließung des Schönbuchs, die nur mehr oder weniger geplant verläuft, soll ein dauerhaft befahrbares Rückegassensystem geschaffen werden. In Wirklichkeit wird aber bereits bei der ersten oder zweiten Befahrung in Kauf genommen, dass Gassen bis in die Tiefe aufgerissen werden, sodass die Bodenwanne der Erntemaschine aufsitzt und der Boden auf der Fahrgasse bis zur Unkenntlichkeit zerstört wird.
Das Rückegassenkonzept von ForstBW berücksichtigt bisher einzig die Infrastruktur der Funktionsprinzipien und Konstruktionsmerkmale der Maschinen ohne die mechanische Belastbarkeit des Bodens, die Bodeneigenschaften und die Witterung zu berücksichtigen.
Dabei gehen gewaltige Waldanteile, Forstleute gehen von bis zu 30 und mehr Prozent aus, durch die Befahrungen in den einzelnen Abteilungen, verloren.
Die langfristigen Folgen für das Ökosystem Wald wirken bedrohlich auch wenn sie noch nicht voll absehbar sind oder auch gerade deshalb! Die Verantwortlichen, der Forst BW, gibt sich in der Öffentlichkeit den Anschein, als würden Witterung, Bodeneigenschaften, technischen Verfahrensweisen angemessen berücksichtigt. Tatsache ist aber, dass die Waldböden rücksichtslos zerstört werden.
Die Forstverwaltung hat die Aufgabe, Wald und Waldböden pfleglich zu bewirtschaften (§14 Landeswaldgesetz).

Deshalb kann man nur immer wieder die Forderung stellen: KEINE RÜCKESCHÄDEN IM SCHÖNBUCH, KEINE RÜCKESCHÄDEN IM HERRENBERGER STADTWALD …
EIN INTAKTER WALD IST UNSER ALLER LEBENSGRUNDLAGE, DAS GILT AUCH FÜR DEN SCHÖNBUCH!

5 Cent für unsere Erholung und die Gesundheit des Waldes

Liebe Freunde des Waldes, sollte die Erholungsfunktion des Waldes direkt vor den Toren Stuttgarts, unserer Landesregierung nicht 5 Cent pro Bürger, der in den Schönbuch zur Erholung geht, wert sein? Besonders wenn man bedenkt, daß im Großraum Stuttgart rund 100 Milliarden Euro, also rund 25% des Bruttoinlandsprodukt von Baden-Württemberg von den Bürgern erwirtschaftet wird!

Im vergangenen Winter wurden im Staatswaldteil des Schönbuch Bäume im Wert von rund 250.000 Euro eingeschlagen und verkauft, dieser wirtschaftlichen Nutzung stehen 5 Millionen Besucherinnen und Besucher jedes Jahr gegenüber, die viele Millionen Euro für das Land Baden-Württemberg erwirtschaften, sollte da nicht der Vorrang ganz klar auf der Erholungsfunktion des Waldes liegen?

Eigentlich sollte es doch langsam jedem klar sein: In unserer Streß geplagten Zivilisation, die natürlich auch den „gestreßten Nutz!Wald“ umfaßt, kann es gar keine andere ernsthafte Alternative geben, als der Schutz- und Erholungsfunktionen im (Staats)Wald den Vorrang zu geben gegenüber der ökonomischen Nutzfunktion!

Mit gutem Grund fordern Bürger und zivilgesellschaftliche Verbände immer wieder – natürlich auch im Schönbuch – daß soziale und ökologische Belange im Wald Vorrang haben. Auch wenn diese Forderungen bisher weitgehend in der Praxis ignoriert wurden, haben Sie immerhin schon Eingang gefunden in entsprechenden Leitgedanken z.B. der Forstverwaltung in Baden- Württemberg – deshalb wird es allerhöchste Zeit, daß den Worten nun auch Taten folgen, die Erholungssuchenden nach der zukünftigen Nutzung befragt werden.

Die Kreisforstämter – soweit sie den Schönbuch betreffen – Böblingen, Esslingen, Reutlingen und Tübingen sollten dafür sorgen, daß Bodenschäden und Bestandsschäden wie sie im vergangenen Winter verursacht wurden, konsequent unterbleiben, daß die vorliegenden Bodenschäden erfasst und klassifiziert werden und daß Feinerschließungspläne öffentlich gemacht werden, damit ein Höchstmaß an Transparenz herrscht, denn schließlich und endlich geht der Wald alle Bürger an, ob nun in seiner Erholungsfunktion oder als ökologische Grundlage jeden Lebens!

Pressemitteilung des BUND Naturschutz:
Vorrang für Schutz- und Erholungsfunktionen im Staatswald

Liebe Freunde des Waldes, die nachfolgende Pressemitteilung hat uns heute erreicht, die wir hiermit gerne allen zur Kenntnis geben möchten:

PM-078-14-Vorrang-Schutz-und-Erholungsfunktionen

Grundlagen für ein Bodenschutzkonzept des Landesbetriebs Forst Brandenburg

Liebe Freunde des Waldes, Martin Grüll hat uns zur Veröffentlichung seinen Beitrag „Grundlagen für ein Bodenschutzkonzept des Landesbetriebs Forst Brandenburg“ weitergegeben. Der Beitrag der aus einem Vortrags beim diesjährigen
LFE-Winterkolloquium entstanden ist, kann HIER  aufgerufen werden.

Ganz herzlichen Dank dafür!

Wer sich für den gesamten Band 55 der Eberswalder Forstlichen Schriftenreihe (EFS) interessiert, kann diesen über den nachfolgenden Link aufrufen:

Band 55 der Eberswalder Forstlichen Schriftenreihe