Kategorie-Archiv: Allgemeine Waldthemen

Bodenschonende Holzernte

Liebe Freunde des Waldes, in der Masterarbeit von Tobias Jäger von der ETH Zürich haben wir eine sehr gute Zusammenfassung zum Thema bodenschonende Holzernte gefunden, die wir hier gerne wiedergeben möchten: Bodenschonende Holzernte weiterlesen

Wider besseres Wissen …zum Ankündigungstext von Prof.Schack-Kirchner, Uni Freiburg

Auf die Ankündigung eines Beitrags von Prof. Schack-Kirchner im Rahmen der KWF- Tagung 2016 in Roding
ein Beitrag von Lutz Fähser:
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Professor Bodenlos …
ein Beitrag von Karl-Friedrich Weber
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und die Korrespondenz mit Herrn Schack-Kirchner:
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HINTERGRUND ist hier die von Prof. Schack-Kirchner verfasste Ankündigung eines Fachexkursionsbildes im Rahmen der KWF- Tagung 2016 in Roding.
http://www.kwf-tagung.org/kwf-tagung/fachexkursion/programm-2016/4-1-4-rueckegassen.html

Eine gewichtige Stimme zum Bodenschutzkonzept- Dr.Lutz Fähser

Lieber Herr Kunz,

Ihre Initiative hat mit dem vorgelegten Bodenschutzkonzept einen längst fälligen Anstoß zur Auseinandersetzung mit einer Schwachstelle „moderner“ Forstwirtschaft gegeben.

Eine gewichtige Stimme zum Bodenschutzkonzept- Dr.Lutz Fähser weiterlesen

Wer die Natur ausbeutet, beutet die Menschen aus

Der 36-jährige NaturFreund Kai Niebert ist der jüngste Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), den der Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzverbände je hatte.

Prof. Dr. rer. nat. Kai Niebert leitet zurzeit den Lehrstuhl für Didaktik der Naturwissenschaften und der Nachhaltigkeit an der Universität Zürich und ist zudem Gastprofessor an der Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana Universität Lüneburg.

Der größte Fehler der Umweltbewegung!

Kai Niebert trifft den Nagel auf den Kopf, der größte Fehler der Umweltbewegung war es, „eine Idee von Nachhaltigkeit zu akzeptieren, in der Ökologie, Ökonomie und Soziales scheinbar gleichberechtigt nebeneinanderstehen“.  Denn! „Immer wenn es ernst wird, drängt das Streben nach Wirtschaftswachstum die Umwelt und den Menschen an den Rand.“

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Das Pferd kommt wieder

Höher, weiter, schneller, schwerer? Nein, denn „small is beautiful“, so lautet das ökologische Prinzip. Und das ökologische Prinzip ist auch gleichbedeutend mit dem ökonomischen Prinzip.

Die Karl Lange-Rückeschleppe sind eine Holzrücketechnik der Zukunft!

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Wie viel Boden steht jedem Erdbewohner zu?

Kaum jemand in Mitteleuropa macht sich Gedanken, wieviel Ackerland jedem Menschen auf der Erde zur Verfügung steht, schon gar nicht wie groß die Fläche ist, die er selbst im Inland und vor allem im Ausland für Nahrung, Kleidung, Sprit etc. gebraucht. Dabei werden bei steigender Weltbevölkerung Böden in großem Umfang geschädigt oder gehen verloren. Der Schutz von Böden ist daher ein politisches Gebot, das international jedoch nicht ausreichend beachtet wird. Es gibt aber viele Möglichkeiten, persönlich etwas für den Boden und seinen Schutz zu tun.
Wenn Sie weiterlesen wollen, dann klicken Sie HIER!

Der Zustand der Ökosysteme wird immer fragiler

Zehn Millionen Datensätze, gesammelt in 40 Jahren, bilden die Grundlage für einen erschütternden Befund: In Großbritannien nimmt die Artenvielfalt gefährlich ab. Ob Igel, Bienen oder Vögel: Viele für den Menschen nützliche Tierarten sind auf dem Rückzug, warnen Umweltforscher.

http://www.deutschlandfunk.de/media/thumbs/c/cbdb57101b02241e4deede3b0a917acfv1_max_755x424_b3535db83dc50e27c1bb1392364c95a2.jpg

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Neues vom Landratsamt Böblingen

Liebe Freunde der Inititiave „Waldkritik“,

wie anderen offiziellen Stellen auch, haben wir unser „Bodenschutzkonzept“ Herrn Landrat Bernhard, vom Landratsamt Böblingen zugeschickt.
Am 18.  August 2015 haben wir von Herrn Martin Wuttke, Erster Landesbeamter und stellvertretender Landrat beim Landratsamt Böblingen, eine Antwort erhalten, die wir ausdrücklich NICHT auf unserer Webseite veröffentlichen dürfen.

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Auswirkungen von Bodenbefahrungen

In der Freiburger Bodenkundlichen Abhandlungen Nr.40 von T. Gärtig hat dieser schon 2001 festgestellt, daß für den Bodengashaushalt, das Feinwurzelsystem und die Vitalität von Eichenbeständen die Bodenbefahrung eine entscheidend wichtige Rolle spielt.

Schon 2001 – also vor immerhin 14 Jahren – war es allen beteiligten Fachleuten durchaus klar, daß es sich bei den Bodenverdichtungen und -deformationen bei Leibe nicht um ein „ästhetisches“ Problem handelt, was sich bereits nach kurzer Zeit durch neue Begrünungen erledigt!

Auch hier zeigt sich wieder: Wir haben kein Wissensproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem, die Tat folgt leider nicht ‚mehr‘ der wissenschaftlichen, ökologisch sinnvollen Einsicht, sondern der ökonomischen ‚Notwendigkeit‘ …

Boden unbefahren-befahren

Artenvielfalt schützen – die Zeit drängt

Artenvielfalt schützen – die Zeit drängt >>>

Wien, 30. Juni 2015 – Weltweit sind 22.784 Arten gefährdet – mit steigender Tendenz. Das belegt die im Juni 2015 von der Welt-Naturschutzorganisation IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) veröffentlichte Rote Liste der Pflanzen- und Tierarten. Das Ausmaß dieser Gefährdung wird oft erst verspätet erkannt und unterschätzt. Eine neue Studie unter der Leitung des Umweltbundesamt-Experten Franz Essl zeigt, welche Mechanismen dazu führen, dass Veränderungen der Artenvielfalt verzögert wahrgenommen werden und wie die Politik gegensteuern kann. Die Studie wurde am 29. Juni im renommierten Fach-Magazin „Trends in Ecology and Evolution“ veröffentlicht.


Herr Weber, von der facebookseite „Waldwahrheit“ hat zu dem obigen Artikel auf seiner Seite den nachfolgenden Beitrag verfaßt:


„Neben der Landwirtschaft sei auch die Forstwirtschaft Verursacher des Artenrückganges“ – »Es ist ein ganz zentrales Anliegen, uns um die Arten der lichten Wälder zu kümmern«

… so Jürgen Marx von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW).

Da muss sich Herr Marx doch keine Sorgen machen. Wenn die Intensität der Holznutzung im Alterklassenbetrieb so weitergeführt wird, wie in den letzten zehn Jahren, kann doch das Wort ohnehin zur Wahrheit werden: „Alles ist Licht …“

Bei näherem Hinschauen zeigt sich jedoch das Dilemma des herkömmlichen Naturschutzes auch im Wald – Einzeltierarten-bezogen, Lebensraum-„typisierend“, konservierend …

Vom Verständnis der elementaren zu Grunde liegenden Prozesse scheint da wenig bewusst zu sein.

Da ist also der Schmetterling Eschen-Scheckenfalter verschwunden, wo der Wald dunkler ist, als diesem Falter bekommt. Wie viele Arten der relativ dunklen Naturwälder sind bereits verschwunden, ohne dass sie vorher in die Rote Listen gelangen konnten – weil ihnen nicht die selektive Aufmerksamkeit der Experten zuteil wurde?

Welche Art ist wichtiger als eine andere im Prozess negentropisch wirkender Komplexität lebendiger Systeme?

„Pflanzen und Tiere individuell schützen und fördern“, so die Aussage des Landesforstpräsidenten Max Reger, „Gerade lichten Waldstrukturen gilt dabei ein besonderes Augenmerk – sie sind in den vergangenen Jahren zugunsten dunklerer, feuchter und dicht bewaldeter Flächen zu kurz gekommen“.

Wenn dann noch Großtiere in das Blickfeld zurückkehren, die publikumswirksam in die Wälder getrieben werden können, um einem letztlich unbewiesenen fiktiven Bild nachzukommen, das ein bestimmtes Naturschutz-Paradigma aus jahrhunderte zurückliegender Nutzungsformen herleitet – und wenn es dann noch gelingt, einen Zeitgeist daraus zu konstruieren – na, dann haben wir doch wieder einmal eine richtige win-win-Situation:

Der Entomologe mit seinen Spezialvorlieben freut sich, die Umweltverbände finden sie auch ganz gut (nicht nur, weil sie Förderprojekte generiert) und die Forstbetriebswirtschaft, die am liebsten den bereits gegebenen und eifrig verschleierten Untervorrat der Wälder weiter absenken möchte – dem Naturschutz zuliebe, versteht sich – kommen endlich an einen Runden Tisch …

Das ist konstruktive Zusammenarbeit – Naturschutz muss konstruktiv sein, also konstruiert werden, denn ohne Naturschutz und Forstwirtschaft ist Wald ein hilfloses Gebilde, es bedarf unserer ganzen aktiven Fürsorge. Ohne pflegende Hand keine Natur.

Karl-Friedrich Weber

Bodenschutz nach Schweizer Art

Gesunde Böden sind für die Erhaltung einer alles umfassenden Nachhaltigkeit im Wald eine grundlegende Voraussetzung. Naturbelassene Böden stellen ein System mit erstaunlich grosser Selbsterhaltungskraft dar und gewährleisten umfassend die Erfüllung aller Waldfunktionen. Böden sind aber auch eine nicht erneuerbare Ressource. Es ist daher wichtig, dass Waldböden in ihrer Fruchtbarkeit weder durch Stoffeinträge noch durch die Waldbewirtschaftung mit entsprechenden physikalischen Einwirkungen beeinträchtigt werden.

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Bodenverdichtung in der Forstwirtschaft

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“,

im Nachfolgenden veröffentlichen wir einen Aufsatz zur Bodenverdichtung in der Forstwirtschaft von Herrn Prof. von Wilpert und Herrn Schäffer. Die Untersuchungen, die dem Aufsatz zugrundeliegen, haben im Schönbuch, genauer bei Weil im Schönbuch stattgefunden. Die Ergebnisse zeigen die ökologischen Konsequenzen aus der unsachgemäßen Befahrung das Feinwurzelsystems.

Immer wieder weisen wir auf unserer Waldkritikseite auf die enormen Schäden, die bei der Holzernte durch unsachgemäße Befahrungen des Waldbodens entstehen, hin, auf die Zerstörung der Vegetation, die Zerstörung des Aufbaus der Humus- und Bodenstrukturen, die Zerstörung des Gasaustausches, die Zerstörung der ordentlichen Wasseraufnahmefähigkeit, die Zerstörung der Symbiose von Pilzen und Feinwurzeln, die Vernichtung von Bodenorganismen usw. usw..

Wenn durch Befahrungen z.B. das Feinwurzelsystem geschädigt wird, obwohl das auch für BW gültige Waldgesetz die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit fordert, dann kann die Holzernte nicht Ausdruck ordnungsgemäßer Forstwirtschaft sein! Bei der Anlage der Rückegassen in Baden Württemberg behauptet die Forstwirtschaft immer wieder einen Flächenverlust von 10% nicht zu überschreiten, andere – hoch kompetente Experten – gehen von mindestens 20 % aus, womit der Bodenverlust bei mindestens 272 000 ha. liegt, darüber hinaus gibt es nach wie vor keine Kennzahlen zur Differenzierung der Schäden!

Natürlich kann man immer wieder versuchen, unsere Kritik lächerlich zu machen, aber die nüchterne Faktizität, die durch die Waldbodenschäden entsteht, die kann man durch „Lächerlichmachen“ nicht aus der Welt schaffen und die werden uns Menschen einholen – ob wir wollen oder nicht.

Aber lesen Sie jetzt bitte den Aufsatz von Herrn Prof. von Wilpert und Herrn Schäffer in dem Sie HIER klicken.

Boden unter Druck

Lieber Freunde unser Initiative,

Wir möchten Sie heute nochmals auf einen besonders wichtigen Vortrag von Nikolaus Nemestóthy, BFW Forsttechnik, mit dem Titel: Boden unter Druck – Sind Bodenschutzziele und Holzernte vereinbar?

Bitte klicken Sie HIER!, um den Vortrag aufzurufen.

Die Dinosaurier sind irgendwann auch mal ausgestorben…

DinosaurierLiebe Freunde der Initiative Waldkritik,

auch die Dinosaurier sind irgendwann in der Evolution ausgestorben, weil sie mit den Lebensbedingungen in den Wäldern unseres Heimatplaneten nicht mehr  zurecht kamen.

Genau so wird es auch dem neuen,  1 Million! Euro teuren und 70 Tonnen schweren! Waldmonster im niederbayrischen Kelkheim gehen. Der neue Großharvester „Raptor“, der mit seiner Hebe-Halte-Technik 900 Festmeter pro Woche umhauen kann und ich sage hier gleich dazu, wenn er rentabel arbeiten soll, auch umhauen muß!!! frist sich durch den Wald, wie ein nimmersattes Monster. Mit einer Hebekraft von 3 Tonnen und einer Reichweite von 17 Metern bewältigt er Stockdurchmesser bis 100cm, ist für Hangneigungen bis 30% ausgelegt, da der Oberwagen tiltfähig, also kippbar ist.

Wenn sich nun das Hightechmonster mit seinen 70 Tonnen Gewicht durch den Wald bewegt, macht er in seiner Waldbodenzerstörung seinem Bruder, dem bäumerückenden Forwarder, den Rang streitig! Der Forstmann im Filmbeitrag erwähnt zwar, daß der „Raptor“ mit seinem Raupenfahrwerk äußerst schonen für den Waldboden ist, zumal er gleich selbst noch einen Reisigteppich vor sich ausbreitet, bevor der den Waldboden befährt, so daß keine so tiefen Fahrspuren, wie wir sie in einigen Bildern immer wieder gezeigt haben, entstehen, aber die Bodenverdichtung, die durch die 70 Tonnen zzgl. der gefällten Bäume zustanden kommen, verdichten den Waldboden eben trotzdem. Damit können Raptor und Forwarder gemeinsam den Waldboden auf Jahrhunderte beschädigen oder zerstören.

Aber klar,  das ist der ökonomische Zahn der Zeit, eine einfache, dreiköpfige Waldarbeiter-Rotte schafft gerade mal 300 Festmeter in der Woche und viele Pausen sind da auch nicht drinn. Der Großharvesterfahrer ‚Willibald‘, so will ich ihn hier mal nennen, der schafft von seinem Führerhaus bequem das 3 fache ganz allein und die Gefahr, daß er krank wird oder verunfallt ist auch viel geringer. Die Frage bleibt an dieser Stelle trotzdem, was macht eigentlich die 3köpfige Waldarbeiter-Rotte, während Harvesterfahrer ‚Willibald‘ die Bäume umhaut, geht die stempeln oder sägt sie als Ein-Euro-Jobber die vielen kleinen Bäume und Büsche 10 bis 100 Meter links und rechts der Straßen ab???

Bedenken wir an dieser Stelle, daß die Automation der letzten 50 Jahre ein unendliches Meer an arbeitswilligen Menschen aus ihrer Existenz in die mehr oder weniger gut ausgestatteten Sozialsysteme der Staaten gedrängt hat, wenn man gleichzeitig bedenkt, daß wir in exponentieller Geschwindigkeit auf eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden zusteuern, geht hier auch an dieser Stelle wieder deutlich sichtbar eine Schere auf, die wir mit den Systemen, wie wir sie heute haben, nicht bewältigen können.

Und bitte seid so gut, wenn ihr die 3 arbeitswilligen Arbeiter der Waldarbeiterrotte morgen vor der Tür des Arbeitsamtes sitzen seht, dann beschimpft sie nicht auch noch als „arbeitsscheues Gesindel“, wenn ihr ihnen schon ihre Existenz genommen habt.

Ein kritischer Umgang mit den Möglichkeiten, die uns moderne Technik zur Verfügung stellt, ist jedenfalls auch im Falle des „Raptors“ dringend angeraten.

Ganz zu schweigen vom Ressourcenverbrauch, den so ein heiliges Großharvester-Blechle beansprucht, der wird mit keinem Wort erwähnt, liebe Freuden so wird es nicht weitergehen, wenn man immer nur den einen, den geheiligten ökonomischen Aspekt bei allem im Auge hat, dann hilft es auch nicht mehr, wenn man in Hochglanzbroschüren wie ein Mantra die „nachhaltige Waldwirtschaft“ beschwört. Die Natur, die trotz der ständigen Verfehlungen des Menschen sowieso schon mehr als großzügig ist, wird sich auf Dauer diese Vergewaltigungen durch schwerste Maschinen und dahinter stehende Profitinteressen nicht gefallen lassen.

Ich kann mich immer nur wiederholen, es gibt Ernte- und Rückemethoden, die den Wald nicht fertig machen, zugegeben, die machen die Holzernte teurer und den Output geringer, aber wenn wir einen ressourcenschonenderen Umgang mit dem Holz hätten, bräuchten wir eben auch viel weniger davon und würden mit dem auskommen, was an Holz jedes Jahr nachwächst und zwar ohne den millionenschweren Einsatz von „Raptoren“.

Für mich ist das Hightechmonster „Raptor“ der Ausdruck des Grundsatzes: „Weiter so!“ Aber so wie irgendwann die Dinosaurier ausgestorben sind, werden in der Evolution auch derartige stählerne Waldmonster aussterben, davon bin ich überzeugt, spätestens dann, wenn der Mensch seine Lebensgrundlagen endgültig zerstört hat.

2015 ist zum „Jahr des Bodens“ ausgerufen worden, nehmen wir dieses Gedenkjahr nicht zum Anlaß uns an die guten alten Zeiten, in denen der Waldboden noch intakt war, zu erinnern, sondern denken wir darüber nach, wie wir unseren Umgang mit dem Wald und seinem Boden so ändern können, daß auch künftige Generationen noch den Wald in seiner natürlichen Schönheit und Leistungsfähigkeit genießen können.

Wer nach diesen einleitenden Worten noch das Bedürfnis verspürt, den Beitrag vom TVA Fernsehen Ostbayern sich reinzuziehen, der kann es durch einen Klick auf das nachfolgende Bild tun, ich verspreche, daß es sich nicht um einen Faschingsscherz handelt, sondern um die bittere Wahrheit, auch wenn die Augen des interviewten Forstmannes vor Begeisterung sprühen!

raptor

Warum engagiere ich mich? Gedankenspuren…

Ich will für eine  Landschaft eintreten die in meinem Leben sehr  bedeutsam gewesen ist und bedeutsam bleiben wird… es ist der Schönbuch!

Ebene Fluren, aufsteigende Höhen, Bergrücken, Einschnitte, Hügel, Mulden, Täler modellieren die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere, Menschen, Siedlungen.

Kindheit, ich erinnere mich an Bachläufe an deren Ränder eingefasst mit Sauergräsern, dem Mädesüß mit seinem Duft, bäuchlings liegend den Wurzelausläufern mit den Fingern folgend der Versuch, die Krebse in dem klaren Wasser hinter den Zangen zu erhaschen.

Dem nimmermüden Unterfangen die Elritze mit bloßen Händen zu gewinnen, Buschwindröschen in den lauen Frühlingslüftend bebend, Himbeerranken, Gewitterstürme, Steinpilze an stillen moosgesäumten Orten, farbiges Blattwerk, tiefstehendes Sonnenlicht mit langen Schatten, Nebelschwaden, Schneekristalle, feines Knistern auf der Laubspreu.

Ich spreche von den Buchen, den Eichen in mächtige Kronen aufstrebend, lichtdurchflutet in den Himmel eintauchend, Rippengewölbe, Spitzbögen, Strebepfeiler, Verbindung zwischen Erde und Himmel. Dunklem Fichtengrund in seinen Wipfeln leiser Wind…

Ein Lager angelehnt an die Sturmwurzel einer Fichte, der Boden  ausgekleidet mit Moos. Sein Standort geheim, Eingeweihten allein bekannt.  Ich erinnere mich an die Zelte, an die Feuer, Gitarren- klang, Lieder… Erfahrungen in der Gruppe

Ich versichere Ihnen, dass ich das keckernde Eichhörnchen kenne, die Haselmaus unter Sträuchern gesehen habe, dass ich mich über das Kreischen des Eichelhähers ärgerte, wenn er  meine heimliche Anwesenheit kundtat. Ich habe dem Ruf der Käuzchen gelauscht der vom Mondlicht begleitet an mein Ohr drang. Ganz ohne Furcht im Zwielicht, warme Luft berührte das Hemdchen, den Leib, im Ohr pochte das Blut- aufmerksam ins Dunkle gerichtet.

Ich bin den  Besonderheiten der Sandsteinblöcke oberhalb der Schwende gefolgt und zwischen den Moosen, den Gräsern, an den Stammansätzen fand ich die verschiedensten Lebenszeichen. Ich sank an nassen Stellen ein, durchdrang Jungbestände, ließ mich an den Kronen der Buchen nieder.

Ich erinnere mich der Mühe unseren jährlichen Holzvorrat einzubringen – sägend, schleppend, stolpernd, stapelnd, die Abfuhr nach Hause, Langholz das eingekürzt werden musste, gemeinsame Vesper…

Ich kenne die Arbeit mit Spaltblock, Axt und Hacke, weiß Scheite in stabilen Schichten aufzustapeln, empfinde die kalte Winterluft, erinnere mich der Wege mit dem Holzkorb, an die  Spächtele und an das Streichholz … ein Feuer machen, warme Zimmer, Küchendüfte, an das Tellergeklirr und den Ruf der Mutter.

Mit dem Untergang der Sonne endeten die Felder und Fluren. Der Blick stieß dann auf einen dunkler werdenden Waldriegel, Abschluss des Sehfeldes – zurück nach innen…

Kriegsende, Ankunft und Neuanfang der Familie in einer kleinen Gemeinde am Rande des Schönbuchs, Orientierungsversuch in einer neuen Umgebung, Eingesessene, die Fremde, damals waren es wir Flüchtlinge, nicht mochten…

In der Landschaft von der ich spreche fand ich die lebensnotwendige Freiheit, die ich vonnöten hatte, in der ich auftauchen konnte

Ich war unterwegs, gewann Einblicke, Naturwissenschaft… Pädagogik, ein Kunststudium in Wien. Ich war  an einer Schule tätig. Von meiner Arbeit hat man gesagt, dass ich sie engagiert getan hätte.

Der Lebensraum Wald, die Aneignung der Natur durch den Menschen, die Achtung vor der Schöpfung waren mir wichtige Inhalte in der Erziehung  unserer Söhne und in meiner Berufstätigkeit als Lehrer. In Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung Herrenberg ist ein Projekt entstanden, welches  durch seine Grundüberlegungen und deren Verknüpfung Anerkennung in Fachkreisen fand.

Ich will für den Schönbuch eintreten, der Ihnen, der mir vertraut ist – dem unsere gemeinsame Wertschätzung gilt.

Um diesen Schönbuch soll es gehen. Anlass dazu ist die Sorge um den Verlust der Bodenfruchtbarkeit. Geologen weisen eindringlich auf Schäden die entstanden sind, auf die Störung der Pufferwirkung, des Filtersystems, auf den Stickstoffeintrag und ganz besonders auf die schweren Störungen durch die mechanische Belastung, ausgelöst durch Forstmaschineneinsätze.

Ein wertschätzender Umgang mit den Böden im Schönbuch ist für uns alle von allergrößter Bedeutung.  Ich hoffe und wünsche, dass dies bald gelingen kann.

Am Rande gelesen …

Anläßlich einer Neujahrs-Tagung mit dem Thema „Ökonomie kontra Ökologie?“ freuen wir uns, hier ein Interview abzudrucken, das wir am Rande der Tagung mit Herrn Dr. Mayer-Wabach führen konnten. Mayer-Wabach gilt als Vordenker einer postmodernen, ökologisch-sozialen Marktwirtschaft. Von diesem Denkansatz aus kritisiert er auch immer wieder den Umgang mit dem deutschen Wald. Das Interview führte unser Redakteur, Herr Müller, am 6. Januar 2015.Till_auf_dem_Harvester

Herr Müller: Zum Jahresauftakt 2015 darf ich Sie, Herr Dr. Mayer-Wabach, ganz herzlich in unserer Redaktion begrüßen. Herr Dr. Mayer-Wabach, Sie gelten als Kritiker ‚unseres‘ Umgangs mit dem deutschen Wald, gleichzeitig eilt Ihnen der Ruf voraus, ein Vordenker einer postmodernen, ökologisch-sozialen Marktwirtschaft zu sein.
Können Sie unseren Lesern etwas darüber verraten, was Sie an unserem Umgang mit dem Wald kritisiieren und wie Sie sich eine neue, eine andere Waldwirtschaft vorstellen würden. Sie sagen ja  immer wieder, wir machen schon vom Prinzip her vieles falsch – aber falls wir wirklich etwas falsch machen sollten, wie könnten wir es denn Ihrer Meinung nach besser machen?

Herr Dr. Mayer-Wabach:  Ja Herr Müller, die Antwort auf ihre Frage ist vom Prinzip her erstmal ganz einfach. Wie alles auf unserem „Heimatplaneten Erde“ ist auch der Wald inzwischen zu einem reinen Wirtschaftsraum geworden, über den ausschließlich Zahlen noch etwas Objektives auszusagen scheinen. Aber mit den Zahlen ist es wie mit der Technik insgesamt, ursprünglich entwickelt, um dem Menschen zu dienen, dient der Mensch und der Wald inzwischen den Zahlen und der Technik.

Herr Müller: Ein interessanter Ansatz Herr Mayer-Wabach, aber können Sie das für unsere Leser noch etwas näher und wenn möglich auch anschaulicher erläutern.

Herr Dr. Mayer-Wabach: Selbstverständlich – ich gebe ihnen gerne ein Beispiel. Über Jahrhunderte haben Holzhauer und Holzrücker unter schwerer körperlicher Arbeit das Holz für die unterschiedlichen menschlichen Bedürfnisse aus dem Wald geholt und es den Menschen bereitgestellt, der Wert des Holzes bemaß sich dabei nach der Häufigkeit seines Vorkommens, der Nachfrage und nach den Methoden der Holzernte.
Mit der industriellen Revolution und der Umstellung von Holz- auf Steinkohle ergaben sich einige Änderungen für die Holzwirtschaft und das Problem des Abtransports wurde neu überdacht, in dieser Zeit gab es – so um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert – einen genialen Erfinder mit Namen Franz Rummelburg, er war Österreicher, stammte aus einer alteingesessenen Försterfamilie und war selbst natürlich auch Förster.
Franz Rummelburg beobachtete die Natur sehr genau und er erfand aufgrund seiner Beobachtungen – vor allem von Gebirgsbächen – schließlich um 1918 eine geniale Wasserrutsche für den Abtransport von geschlagenen Bäumen der Bergwälder ins Tal. Sein von ihm patentiertes Transportsystem war so kostengünstig und so erfolgreich, daß Franz Rummelburg sehr schnell erkannte, daß ihm diese Erfindung nach heutigem Maßstab ein Millionenvermögen bescheren würde.
Trotzdem entschied er sich – ebenfalls sehr schnell – auf dieses Vermögen bewußt zu verzichten und keine weiteren Wasserrutschen mehr zu bauen, um die katastrophalen Folgen, die sein schnelles und kostengünstiges Transportsystem für seinen geliebten Wald haben würde, abzuwenden.

Herr Müller: Sehr schöne Geschichte Herr Mayer-Wabach, aber was hat diese hundert Jahre alte Geschichte mit unserem heutigen Umgang mit dem Wald zu tun?

Herr Dr. Mayer-Wabach: Nun Herr Müller aus dieser Geschichte ist beinahe alles für unseren heutigen Umgang mit dem Wald zu lernen. Wir können die Geschichte der Wasserrutsche von Herrn Rummelburg quasi wie ein Gleichnis verstehen.

Zu aller erst können wir daran lernen, daß wir immer eine Wahl haben, wir sind nicht gezwungen  – außer vielleicht von uns selbst – uns hemmungs- und bedingungslos unserer Gier nach immer mehr Geld und Wohlstand zu unterwerfen. Ein wichtiger Punkt ist, Herr Rummelburg und seine Familie konnten behaglich leben, so wie es die meisten von uns auch noch können, ein schöner und intakter Wald war ihm wichtiger, als ein riesiges Vermögen, er hat einfach andere Prioritäten in seinem Leben gesetzt, andere Werte waren ihm wichtiger als Geld! Er hat sein Lebensglück nicht an der Menge Geld gemessen, die er besaß, sondern an der Intaktheit der Natur und des Waldes.

Was wir als nächstes lernen können, ist etwas über das Eigenleben, das unsere Erfindungen beginnen, sobald sie in der Welt sind. Was Franz Rummelburg zunächst nur aus der Not, die ja bekanntlich erfinderisch macht, ersonnen hatte, nämlich möglichst schnell Windbruch vom Berg ins Tal zu transportieren, wurde ganz schnell nur noch nach seinem wirtschaftlichen Nutzen beurteilt. Niemand der potentiellen Auftraggeber hat in der Erfindung Rummelburgs mehr gesehen, als ein kostengünstiges Transportsystem, um ganz schnell riesige Mengen an geschlagenen Bäumen aus dem Wald herauszuholen. Ob das für den Wald, wir würden heute sagen, für das intakte Ökosystem „Wald“ sinnvoll ist oder nicht, hat niemanden – außer den Erfinder selbst – interessiert. Und der hat – zum Entsetzen aller Auftraggeber mit ihren goldfunkelnden Augen – sich verweigert und da er, im Unterschied zu allen anderen, viel genauer die Natur beobachtet hatte und aufgrund seiner genauen Beobachtungen seine Erfindung so erfolgreich war, war es für andere nicht möglich seine Erfindung einfach nachzubauen und die Idee der Wasserrutsche als Transportsystem verschwand wieder ganz schnell von der Bildfläche.

Herr Müller: Alles schön und gut, Herr Dr. Mayer-Wabach, aber wir haben heute keine einzelnen, kautzigen Erfinder mehr, wir haben einen riesigen Markt, der bedient werden will und schließlich müssen wir doch auch an die vielen Arbeitsplätze denken, die es zu sichern gilt.

Herr Dr. Mayer-Wabach: Stimmt, heute haben wir keinen einzelnen Erfinder mehr, der sich dem Markt verweigern kann, sondern multinationale Konzerne mit millionenschweren Entwicklungsabteilungen, die sich der Wirtschaft und dem Markt niemals verweigern würden, die nur einen Aspekt kennen, daß die Wirtschaft und damit die Profitmaximierung funktioniert. Und weil das so ist, gibt es heute auch niemand mehr, der den Harvester, den Holzvollernter mehr in der Schublade verschwinden läßt, man will doch seinen „return on invest“ und außerdem kann der Harvester doch auch alles viel besser als wir Menschen, er fällt die Bäume sauber und super schnell, entastet die Stämme, zerkleinert die Äste zu Hackschnitzeln und legt die Stämme in den Rückgassen, die er natürlich unbedingt in großer Zahl benötigt, zum Abtransport mit dem Forwarder ab.

Herr Müller: Sie sagen es doch jetzt sogar selbst, der Harvester hilft doch nur den Menschen, er macht ihr Leben einfacher, er senkt die Unfallrisiken, und …

Herr Dr. Mayer-Wabach: … ermöglicht sogar sechs von sieben Waldarbeitern sich in Ihrer Arbeitslosigkeit selbst zu verwirklichen, statt hart im Wald zu arbeiten

Herr Müller: Das ist natürlich bedauerlich, ein gewisser Kollateralschaden, das man immer weniger Waldarbeiter braucht, aber die sind dann ja auch freigesetzt, um was anderes, sinnvolles in ihrem Leben zu machen und schließlich und endlich, was hätte man auch machen sollen bei der schnellen Aufarbeitung des riesigen Windbruchs z.B. der Orkane „Vivian“, „Wiebke“, „Kyrill“ und wie sie alle hießen und aufgrund des Klimawandels noch heißen werden.

Herr Dr. Mayer-Wabach:  Aber Herr Müller, ist denn unser Wald unser Wohnzimmer, daß wir schnell wieder aufräumen müssen, wenn ein Sturm mit heftigem Regen durch ein vergessenes, offenes Fenster jede Menge Bruch und Wasserschaden angerichtet hat? Ich möchte mal an dieser Stelle ganz klar festhalten: Wir mußten nicht ganz schnell aufräumen, sondern wir wollten ganz schnell aufräumen. Wir sind schon in unserer Sprache unehrlich, wenn wir WOLLEN mit MÜSSEN vertauschen.
Viel wäre doch schon gewonnen, wenn wir wenigstens anfang würden, ehrlich zu sein bzw. wenigstens ehrlicher zu formulieren, wir müssen nicht den Harvester einsetzen, sondern wir wollen den Harvester einsetzen und wir nehmen es billigend in Kauf, daß wir mit dem System der Rückegassen, die der Harvester dringend benötigt, den Waldboden zerstören und nicht weil wir leider den Waldboden zerstören müssen sondern weil wir den Waldboden zerstören wollen, weil für uns andere Kriterien wichtiger sind, denn alles was wir sehen und billigend in Kauf nehmen, das wollen wir auch, weil wir verschiedenen Aspekte gegeneinander abwägen und uns immer wieder und immer mehr nach den Kriterien einer reibungslos funktionierenden Wirtschaft richten, die brummen muß, damit wir glücklich sein können.

Aber was ist eine „funktionierende Wirtschaft“, eine funktionierende Wirtschaft klingt wie ein völlig von uns und unserer Gesellschaft abgekoppeltes Gebilde, quasi wie ein Naturgesetz, gegen das wir nichts tun können, das seine eigenen Systeme und Funktionsweisen fern des Menschen hat und nach denen wir uns richten müssen, wenn wir überleben wollen. Aber ich sage es Ihnen ganz klar und deutlich, DIE WIRTSCHAFT GIBT ES NICHT, es mag trivial klingen, ist aber der Dreh- und Angelpunkt unserer Zukunft. Wir müssen uns immer wieder klarmachen, die Wirtschaft funktioniert (oder funktioniert für manche auch nicht) genau so wie wir es WOLLEN. Wir alle sind diejenigen, die die Prämissen vorgeben und wenn wir wollen, daß die Wirtschaft funktioniert, dann müssen wir erstmal sagen, was für uns „funktionieren“ bedeutet. Ich sag es mal ganz plakativ, für mich bedeutet eine funktionierende Wirtschaft der Zukunft sicher nicht, auf dem Weg der seelenlosen Optimierung und Profitmaximierung so weiterzugehen, wie bisher, wir sollten langsam etwas anderes Wollen wie bisher.

Herr Müller: Herr Mayer-Wabach lassen sie uns nochmal auf Ihre Kritik an unserem Umgang mit dem Wald zurückkommen. Was ist so schlecht daran, daß wir es uns als Menschen einfacher machen, daß wir nicht mehr im Schweiße unseres Angesichts die Bäume aus dem Wald holen müssen, sondern bequem mit einem klimatisierten Harvester und Forwarder

Herr Dr. Mayer-Wabach:  Nicht der Harvester ist unser bewußtloser Sklave, der unser Leben einfacher macht, sondern wir sind die bewußtlosen Sklaven des Harvesters, dessen endloser Gier nach immer mehr Holz wir uns zu fügen haben, denn schließlich muß der Einsatz des Harvesters das Geld für die Rohstoffe, aus denen er gefertigt wird, verdienen, er muß für den Hersteller verdienen, er muß für den Waldbesitzer verdienen, er muß für den Dienstleister verdienen, dann muß natürlich auch der Holzverarbeiter durch günstige Einkaufspreise verdienen und der Konsument muß am Ende der Kette ja auch durch einen möglichst niedrigen Preis verdienen – und wie soll das gehen? Ganz einfach nach dem Grundsatz erfahrener Bankrotteure: „Am Baum machen wir Verlust – aber die Masse macht’s“. Aber Spaß beiseite, der Einsatz von immer aufwendigerer Technik – also auch immer teurer Technik, wir sprechen hier bei Grundausstattungen auch mal von Millionenbeträgen – macht eine entsprechende Menge von Holzeinschlag zwingend notwendig. Der Harvester-Einsatz wird in der Regel nach Leistung, also nach Festmetern bezahlt und mit 10 Festmetern am Tag können Sie keine Investitionen von mehreren hunderttausend Euro finanzieren. Da liegt es auf der Hand, das Maximum, was so ein Harvester und sein nachgeschalteter Forwarder kann, also nicht nur 60 oder 80 Festmeter sondern auch gerne mal 300 Festmeter am Tag rauszuholen.

Herr Müller: Aber ist es nicht zumindest in Deutschland inzwischen geregelt, daß nicht mehr Holz pro Jahr aus dem Wald geholt werden darf, als auch in einem Jahr nachwächst? Da werden die Forstverwaltungen doch sicher genau vorgeben, wieviel Holz geerntet werden darf.

Herr Dr. Mayer-Wabach:  Theoretisch ja – praktisch nein! Der größte Teil der Holzernte wird in Deutschland von Dienstleistungsunternehmen ausgeführt und noch dazu von solchen, die bei europäisch vorgeschriebenen Vergabeverfahren ihre Leistung am günstigsten angeboten haben, hier geht eine Schere auf, wenn ich mit großen Investitionen, große Mengen schnell bewältigen kann, dann kann ich diese Mengen günstig anbieten, aber was ist dann mit kleinen Mengen? Da liegt es doch auch auf der Hand, Vorbedingungen für den Einschlag so zu „gestalten“, daß entsprechende Mengen, die der Harvester braucht, auch geerntet werden können – ökologische Erwägungen müssen dann zwangsläufig nachstehen, wenn man als Auftraggeber – der in der Regel die Forstverwaltung von Ländern und Gemeinden ist – nicht möchte, daß die beauftragten Dienstleister mit ihren immer gößer werdenden Maschinenparks reihenweise in die Pleite gehen.

Herr Müller: Könnte man – wenn dem wirklich so ist, wie Sie behaupten – das Vergütungsverfahren ändern oder muß man dann einfach auf modernste Technik verzichten, wenn man nicht genug erntereife Holzmengen zusammenbringt?

Herr Dr. Mayer-Wabach:  Ja und Nein! Wir müssen ja nicht nur den jedes Jahr nachwachsenden Holzmengen Rechnung tragen, wir müssen ja auch dafür sorgen, daß wir ein ökologisch funktionierendes System „Wald“ erhalten und dazu gehören nun einmal nicht nur die richtigen Bäume in einer richtigen Anzahl und Mischung, dazu gehört zu allererst auch mal ein ökologisch intakter Boden, denn ohne intakten Waldboden, kein intakter Wald. Hier ist natürlich die Versuchung aller Beteiligten sehr groß, den Weg immer perfekterer Technik – sprich immer größerer Investitionen – zu gehen.
Selbst wenn kein Einsehen in ökologische Notwendigkeiten besteht, so ist das Interesse der weltweit agierenden Maschinenhersteller doch sehr groß auf alle Wünsche von Forstbetrieben einzugehen, denn das bedeutet Umsatz und Wachstum und noch will niemand dieses goldene Kalb des Kapitalismus schlachten.
Und damit schließt sich auch wieder der Kreis, denn wir sind wieder beim WOLLEN angekommen. Wollen wir wirklich auf dieser Einbahnstraße der Naturzerstörung für schnelle Profite weitergehen oder sagen wir einfach STOPP!

Herr Müller: Wie soll das in der Praxis funktionieren?

Herr Dr. Mayer-Wabach:  Wir könnten uns den Erfordernissen der Natur überlassen, wir könnten das Leben in Harmonie und Gleichklang mit der Natur wieder als Wert anerkennen lernen – wir nehmen, was uns die Natur in reichlichem Maße gibt, aber kein Stück mehr. Wir geben uns den Grundsatz, so im Wald vorzugehen, daß nach unserem Eingreifen und Ernten im Wald niemand sieht, daß wir da waren und zwar nicht durch ausgeklügelte Kosmetik (nach dem Motto: Wir schütten zerstörte Rückegassen einfach oberflächlich zu und streuen Laub darüber!) sondern durch ehrliches, moralisch anständiges Verhalten und wenn durch dieses Verhalten der Holzpreis um 50 bis 100% steigt, dann sagen wir, das ist genau das, was wir wollen, denn wenn wir auf diesem Planeten eine Zukunft haben wollen, dann müssen die Preise, die wir für unser Holz ansetzen, nicht nur die ökonomische, sondern auch die ökologische Wahrheit sagen, so wie es Ernst Ulrich von Weizsäcker vorgeschlagen hat. Und zur ökologischen Wahrheit gehört der „ökologische Rucksack“, den all unsere Aktionen auf diesem Planeten tragen, von der Wiege bis zur Bahre!

Herr Müller:  Ein schönes Schlußwort Herr Dr. Mayer-Wabach. Wir müssen jetzt leider unser Gespräch beenden – ich bedanke mich für ihre Ausführungen, wenn gleich ich ehrlich zugeben muß, daß ich Ihre Thesen doch für sehr überzogen und an vielen Stellen sogar für – gestatten sie mir das Wort – weltfremd halte. Ich bin im Unterschied zu Ihnen doch der Meinung, daß wir nach wie vor am besten auf einen funktionsfähigen, brummenden Markt und eine ungebremste  Weiterentwicklung der Technik zum Wohle des Menschen auch in Zukunft vertrauen sollten. Meinen Sie nicht auch?

Quelle: http://oekoradix.de/?p=1068

Satirisches zur 3. Bundeswaldinventur

Liebe Freunde der Initiative „Waldkritik“,

heute hat uns von einer regelmäßigen Leserin unserer Seite der nachfolgende Hinweis erreicht, den wir ihnen auf keinen Fall vorenthalten möchten. Wir wünschen allen jede Menge Stirnrunzeln bei solchen Berichten!

5 Minuten von „Quer“ über die Bundeswaldinventur  =>  HIER KLICKEN!

Ganz besonders schön ist der Beitrag von Philipp Freiherr zu Guttenberg, dem Präsident der Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände e.V (übrigens ist er der kleine Bruder unseres heiß geliebten, ehemaligen Bundesministers der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg). Was Philipp Freiherr zu Guttenberg besonders auszeichnet, ist sein großer Sachverstand und seine immerwährende Sachlichkeit.

Aber lesen Sie selbst  =>  HIER KLICKEN!

Resümee des ADWG:
„Umweltverbände wie Greenpeace oder der “Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland” (BUND) hatten in der Vergangenheit wiederholt die multifunktionale und nachhaltige Forstwirtschaft angegriffen und kritisiert, dass diese angeblich naturschutzfachliche Ziele deutlich verfehlen würde. Von “übernutzten”, “schrumpfenden” oder “kranken” Wäldern war dabei die Rede. Die Resultate der Bundeswaldinventur belegen, dass diese Kritik an der Realität vorbeigeht und auch keine Argumente liefert, um weitere Wälder zugunsten eines Totalnaturschutzes verkommen zu lassen.“

Zu Guttenberg sieht voraus: “Die Natur- und Umweltschutzverbände sollten sich neue Felder und Feindbilder suchen. Der fundierte, objektive und unabhängige Zensus hat mit seinen wissenschaftlichen Fakten ihre Kritik entzaubert und gezeigt was sie wirklich ist: ideologisch durchtränkte Illusion und ein Mittel, um Spender und Mitglieder zu gewinnen. Die Aussagen der Bundeswaldinventur bestärken uns Waldbesitzer, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, weil er objektiv der richtige ist.”

Vorsorgender Bodenschutz …
Vortrag von Martin Grüll

In den letzten Jahren entstanden in den Staats- und Gemeindewäldern des Schönbuchs Bodenschäden, die in Art und Umfang ein Vielfaches der Schäden umfassen, die sich alle zusammen in den Jahrhunderten der Waldnutzung zuvor aufsummiert hatten. Ursache für diese dramatische Entwicklung ist, daß auf maschinelle Holzernte umgestellt wurde, und die empfindlichsten Standorte mit ungeeigneter Technik, häufig auch noch bei ungeeigneter Witterung befahren wurden.

Nach dem Eindruck von „Waldkritik“ teilt zumindest eine Mehrheit der Forstleute im Schönbuch unsere Sorge um die Befahrungsschäden („Boden und Bodenfruchtbarkeit erhalten“, als Grundlage einer pfleglichen Bewirtschaftung des Waldes, §14/1/ Landeswaldgesetz), und es wurde angekündigt, künftig auf geeignetere Technik, nämlich auf 6- und 8- Radmaschinen mit Bändern umzustellen. Abgesehen davon, daß eine 6- Rad Maschine auf einer Achse keine Bänder ermöglicht, ist eine derartige Verbesserung nach Auffassung von „Waldkritik“ nicht ausreichend, befahrungsempfindliche Standorte erfordern den Einsatz von Raupen, teilweise ist aber auch auf maschinelle Holzernte ganz zu verzichten, und zu herkömmlichen Aufarbeitungsmethoden zurückzukehren.

Zu diesem Themenumfeld weisen wir auf folgende Veranstaltungen hin :

Vortrag Martin Grüll (Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde)

 „Vorsorgender Bodenschutz beim Einsatz von Holzerntetechnik“

27. November 2014, 19.00 Uhr, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Hr. Grüll wird bei diesem Vortrag das Bodenschutzkonzept des Landesbetriebs Forst Brandenburg erläutern und wird beispielhaft die mögliche Anwendung auf Waldstandorte im Schönbuch vorstellen.